Offene Standards – ohne M$?!

Während OpenOffice mittlerweile inkl. einiger Neuerungen in der Version 2.1 vorliegt und auch schon in die überraschend erschienenen OpenSource DVD 4.0 integriert wurde, scheint Microsoft immer noch in der Alpha-Phase an seinem OpenDocument-Konkurrenten openXML zu werkeln: Dass openXML nur als Feigenblatt dienen soll, um den M$ Office-Nutzern eine Quasi-Freiheit vorzugaukeln, die dann doch nicht existiert, war mir ja schon von Anfang an klar. Nun bestätigen das auch Menschen mit mehr Sachverstand als ich ihn aufbieten kann:

Als „Danaergeschenk“ hat der FSFE-Vorsitzende Georg Greve Novells Ankündigung bezeichnet, den OpenXML-Standard in OpenOffice zu implementieren. […] Greve: „Microsofts Office-Formate sind aber nur von einem Unternehmen definiert und voll implementiert. Damit sind es monopolisierte, proprietäre Formate und keine Standards.“

Wie in Greves Blog zu lesen ist, kommentiert Bob Sutor, Vizepräsident von IBM das Verfahren um openXML mit der Aussage, die Implementierung ähnele mehr einer Denial-of-Service-Attacke als einem offenen Standard.

[Quelle]

Als sei es nicht genug, dass es jetzt schon wieder einen Kampf der Formate gibt (statt einen Wettbewerb um das bessere Format), bei dem wohl nur die Nutzer verlieren können, weil es wieder zu Frontenbildung – M$ gegen offene Formate – kommt, nein, jetzt muss auch noch Novell der M$-Politik Vorschub leisten, indem sie dem halbfertigen, und ausdrücklich noch nicht zum Gebrauch empfohlenen Format in die offene Office-Suite verhelfen:

Office 2007: Neuer alter Ärger dank Open XML?
Microsoft rät vorerst von der Nutzung von Open XML ab

[…] Während es für Nutzer von Microsofts Office XP und 2003 mit dem Office-Compatibility-Pack-Konverter für die in Office 2007 genutzten Open-XML-Formate gibt, gucken Nutzer der Mac-Version von Microsoft Office, aber auch Nutzer von OpenOffice.org in die Röhre, sollten sie eine Datei in den neuen Formaten erhalten, die unter anderem auf „.docx“, „.xslx“ oder „.pptx“ enden.

Zwar sind auch für Microsofts „Office for Mac“ und zumindest Novells Version von OpenOffice.org entsprechende Konverter angekündigt, derzeit hilft aber nur die Bitte, die Dateien in einem alternativen Format abzuspeichern.

[Quelle: Golem.de]

Da hilft es dann auch nicht, dass OpenDocument offen ist und nun auch schon als ISO Standard veröffentlicht wurde, denn die Ecma hat Microsofts openXML bereits als Industriestandard anerkannt und eine 6000(!) seitige Dokumentation dazu verfasst. Keine Frage, wer sich da auf all den neuen Vista-Maschinen durchsetzen wird, egal wie vernünftig eine andere Lösung wäre … :(

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Mehr Infos, u.a. auf folgenden Seiten:


2 Antworten zu „Offene Standards – ohne M$?!“

  1. Sven Krohlas sagt:

    Nunja, ganz so einfach wie es manche „Opensource-Gurus“ sich wünschen ist es nunmal nicht.

    Stellen wir uns mal vor OOo würde openXML nicht unterstützen. Dann wäre in ein paar Monaten das Gejammer groß. Kein Dokumentenaustausch mehr möglich, keine Interoperabilität, etc…
    Denn eins ist numal Fakt: wenn der Marktführer ein neues Format einführt wird es verwendet.

    Die Alternative sehen wir jetzt: alle jammern weil Novell hilft das Format zu unterstützen. Aber genau das ist der einzige Weg mit Zukunft, denn ohne Unterstützung für openXML wäre OOo in Zukunft nicht mehr als eine exotische Insellösung.

    Die Stärke der FOSS-Bewegung ist gerade die Offenheit. Und Offenheit heißt sicher nicht „nein, das Format weigern wir uns zu unterstützen“.

    Trotz allem wünsche ich M$ natürlich eine qualvolle openXML-Todgeburt. ;-)

  2. Anna-Maria sagt:

    Gesundes neues Jahr wünsch ich Dir!

    Es geht mir ja nicht darum, dass das neue Format nicht von OSS unterstützt werden soll, sondern dass es leider laut eigener Angaben von MS auf absehbare Zeit nicht zu funktionieren scheint, was wiederum die Nicht-Gurus, Nicht-Nerds und Otto-Normal-Anwender in den Wahnsinn treiben kann (Möglichkeitsform, da die meisten Normalanwender wohl den Speichern als/unter-Dialog nicht kennen und einfach im Nativformat abspeichern, so meine limitierte Erfahrung). Konverter sollen zwar umsonst bereit gestellt werden – das nutzt einem aber nichts wenn die Software mit dem Format schon Anfang des Jahres raus kommt, mit entsprechenden Konvertern aber erst ab dem dritten Quartal gerechnet werden kann. :(

    Mal was Ausgereiftes rausbringen, das hätte ich nach 18 Jahren Office erwartet. Mit der Verweigerung meine ich die Verweigerung von halbfertigen Sachen. Was nutzt ein Import/Export-Filter, wenn das neue Format noch nicht einmal in seiner eigenen Software vernünftig integriert ist? Ich find einfach schade, dass hier mal wieder der Zug verpasst wird, dem Endanwender wirklich Erleichterung durch echte Kompatibilität und somit Wahlfreiheit zu verschaffen. Dass wir von der ganz großen Revolution noch etwas entfernt sind, ist mir klar. Aber Indien macht ja schon mal Hoffnung! :)

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